Ein Baugerüst besteht aus vielen Komponenten, die alle eine tragende Rolle spielen: Sie stabilisieren das Gerüst und sichern Arbeiter und Passanten. Das meiste Gerüstzubehör lässt sich einzeln im Fachhandel kaufen. Neben den namhaften Firmen Layher, Plettac, Hünnebeck oder Rux gibt es weitere Marken, die zu diesen Firmen kompatibles Gerüstzubehör herstellen.
Auf dieser Seite finden Sie Informationen zu den wichtigsten Gerüstbestandteilen:
Die Vertikalrahmen oder Stellrahmen sind die vertikalen Ständer des Gerüsts. Sie stehen auf den Spindelfüßen und können durch diese so eingestellt werden, dass die auf den Rahmen liegenden Gerüstböden absolut waagerecht ausgerichtet sind. Die Stellrahmen hingegen müssen genau senkrecht stehen. Sie sind das Gerüstzubehör, welches Lasten nach unten in den Baugrund leitet. Vertikalrahmen lassen sich durch Aufstecken eines weiteren Stellrahmens nach oben verlängern, sodass auch Arbeiten an hohen Fassaden oder Türmen kein Problem darstellen.
Die Böden bilden die Etagen des Gerüsts. Gerüstböden gibt es in verschiedenen Ausführungen und Materialien. Neben Holzböden und Stahlböden sind mit Aluminium ummantelte Robustböden eine gängige Variante. Wichtig bei einem Gerüstboden ist nicht nur seine Belastbarkeit, sondern auch seine Rutschfestigkeit. Schließlich muss auch bei Wind und Regen gearbeitet werden und rutschige Böden in zehn Metern Höhe können leicht zu Unfällen führen.
Eine wahre Innovation ist der Fipro, der Fiberglasboden der Firma Layher. Fipro ist der leichteste Gerüstboden der Welt und wurde von dem Schweizer Unternehmen swissfiber entwickelt und patentiert.
Beim Gerüstaufbau werden die Böden auf die Rahmen gelegt. Bei modernen Gerüsten werden die Böden so zwischen den Rahmen eingeklemmt, dass sie sich auch bei Wind nicht verschieben und ein sicheres Arbeiten gewährleisten. Damit Auf- und Abbau leicht von der Hand gehen, muss darauf geachtet werden, dass die Böden genau waagerecht liegen. Hierfür ist eine vorherige genaue Einstellung der Spindelfüße wichtig.
Bei Maurergerüsten werden keine Böden, sondern Horizontalrahmen, auch Gerüstmatten genannt, auf die Stellrahmen gelegt. Dies dient der Stabilisierung des Baugerüsts. Auf die Matten werden dann Holzbeläge als Standfläche für die Arbeitenden gelegt.
Durchstiege ermöglichen das Auf- und Absteigen auf die verschiedenen Etagen innerhalb des Gerüsts, ohne dass der Arbeitende an der Außenseite hoch- und runterklettern muss. Heute sind Durchstiegstafeln oder Leitergangsklappen eine übliche Lösung: Spezielle Gerüstböden verfügen über eine Klappe, an welche eine hochklappbare Leiter anmontiert ist. Wird die Klappe mit der Leiter hinuntergeklappt, kann der Arbeitende sicher die nächste Ebene erreichen.
Das Gerüst steht auf Spindelfüßen, welche höhenverstellbar sind und somit Unebenheiten oder sogar Niveauunterschiede des Bodens ausgleichen können. Die Spindelfüße sind also ein sehr wichtiges Gerüstzubehör zur Grundeinstellung des Gerüsts und zum späteren bequemen Arbeiten. Je nach Niveauunterschied gibt es verschiedene Längen von Gerüstfüßen. Man sollte sich also vor dem Kauf von Gerüstzubehör die Baustelle ansehen und bereits im Vorfeld entscheiden, wo das Gerüst stehen wird und welcher Niveauunterschied daraus resultiert.
Nicht jedes Gebäude kann von einem geraden Baugerüst abgedeckt werden, ohne dass dabei Lücken oder große Abstände entstehen. Hier kommen Konsolen zum Einsatz: Sie werden an die Stützen angeschraubt und dann mit Bohlen versehen. So können die Konturen des Gebäudes berücksichtigt werden.
Daneben gibt es Konsolengerüste: In die Außenfassade werden zunächst Aufhängeschlaufen einbetoniert, in die dann die meist dreieckigen Konsolen eingehängt werden. Bei Sanierungsarbeiten können alternativ Holzkeile unter ein vorher verlegtes Stahlseil geschoben und die Konsolen daran befestigt werden. Konsolengerüste kommen hauptsächlich beim Bau von Industrietürmen zum Einsatz. Der Aufbau ist relativ zeitaufwändig: Für die Umrüstung eines Schornsteins mittlerer Größe benötigen zwei Gerüstbauer bis zu vier Tage.
Manchmal muss das Baugerüst über einer Einfahrt oder Feuerwehrzufahrt aufgebaut werden. Hierbei sowie in allen anderen Fällen, in denen größere Abstände überbaut werden müssen, kommen Gitterträger zum Einsatz. An diese werden dann die unteren Stellrahmen gekuppelt. Zusammen mit den Konsolen dienen Gitterträger also dazu, nicht nur gerade Wände, sondern auch Vorsprünge und andere Besonderheiten zu ummanteln und dabei Lücken auszusparen.
Ein hohes Baugerüst, das nur aus Vertikalrahmen und Böden besteht, wäre sehr instabil. Daher werden diagonal zum Gerüst weitere Streben angebracht. Diese Diagonalen stabilisieren das gesamte Gerüst und verhindern, dass es in Längsrichtung umfällt. Für eine Stabilisierung in Querrichtung, also vom Gebäude weg, sorgen Ösenschrauben, auch Anker genannt, die das Gerüst in vorher in die Fassade geschraubten Gerüstdübeln an dieser fixieren.
Das Baugerüst muss selbstverständlich mit Geländern gesichert werden. Es gibt zwei Arten von Gerüstgeländern: Das Rückengeländer schützt die Arbeitenden vor Abstürzen nach hinten. Es wird an den Stellrahmen beziehungsweise auf der obersten Ebene an den Geländerstützen befestigt. Die Sicherheitsvorschriften besagen, dass ein Gerüstfeld immer mit zwei Rückengeländern oder einem Doppelrückengeländer zu versehen sind. Das Schutzgeländer dient allerdings nicht nur der Sicherheit, sondern auch der Ausrichtung des Gerüsts.
Das Stirngeländer, in der Gerüstbauersprache auch „Affe“ genannt, sichert die Arbeitenden zu den Seiten hin ab. Die Seitengeländer werden am äußeren Vertikalrahmen befestigt. Auch hier gilt: Zwei Seitengeländer oder ein Doppelseitengeländer. Beide Geländer schützen dabei nicht nur die Arbeitenden, sondern auch die Passanten, denen Gegenstände oder Steine auf den Kopf fallen könnten.
Um das Rückengeländer über die gesamte Höhe des Gerüsts zu befestigen, bedarf es bestimmter Geländerstützen, die auf der obersten Etage des Gerüsts befestigt werden. An diesen Geländerpfosten werden dann die Rückengeländer fixiert.
Zur weiteren Sicherheit werden unten über jedem Boden Bordbretter zwischen den Stützen eingeklemmt. Diese verhindern, dass ein Arbeitender, der gestürzt ist, unter dem Geländer hindurchrutscht und im schlimmsten Fall das gesamte Gerüst hinunterfällt. Außerdem fangen die Bordbretter Material auf, das hinunterfällt und den gleichen Weg zu nehmen droht.
Das Schutznetz stellt einer weiteres Gerüstzubehör und eine Sicherheitsmaßnahme dar. Es wird direkt unter dem Arbeitsort befestigt und schützt Passanten von herabstürzenden Steinen, Werkzeugen oder anderen gefährlichen Gegenständen. Die Maschenweite eines Schutznetzes darf höchstes 2 cm betragen. Schutznetze sind vor allem dann wichtig, wenn sich das Gerüst über einer Straße oder einem Fußgängerweg befindet.